Adaptogene: Woher das Wort kommt
Adaptogen klingt nach Fachsprache, stammt aber aus der sowjetischen Pharmakologie von 1947. Was das Wort bedeutet und wie es heute eingeordnet wird.
Das Wort Adaptogen begegnet einem in Zeitschriften, in Onlineshops und auf Etiketten außerhalb der EU. Es klingt nach einer Wirkstoffklasse wie Vitamin oder Enzym. Die Antworten unten zeigen, dass es eine eigene, ziemlich verwickelte Geschichte hat.
Was bedeutet das Wort?
Es ist vom lateinischen adaptare abgeleitet, anpassen. Ein Adaptogen sollte nach der ursprünglichen Idee ein Stoff sein, der dem Körper hilft, sich an Belastungen anzupassen. Das Wort beschreibt also keine chemische Gruppe wie die Carotinoide oder die Aminosäuren, sondern eine Annahme über eine Wirkung.
Wer hat es erfunden?
Der sowjetische Toxikologe Nikolai Lasarew führte den Begriff 1947 ein. Er suchte nach Stoffen, die die unspezifische Widerstandskraft des Organismus erhöhen. Den gedanklichen Rahmen lieferte der in Wien geborene und in Kanada forschende Mediziner Hans Selye, der ab 1936 das Konzept des Stresses als Zustand beschrieb, in dem das innere Gleichgewicht des Körpers bedroht ist.
Was verstand Brekhman darunter?
Ausgebaut hat das Konzept der Pharmakologe Israel Brekhman in Wladiwostok. Er untersuchte vor allem Wurzeln aus dem Fernen Osten, darunter Ginseng und die Taigawurzel. 1968 und 1969 formulierte er, welche Eigenschaften ein Adaptogen haben müsse: Es sollte kaum giftig sein, unspezifisch wirken, also bei ganz unterschiedlichen Belastungen, und Körperfunktionen in Richtung Normalzustand bringen. Seine Übersichtsarbeit mit Dardymow erschien 1969 in einer amerikanischen Fachzeitschrift und machte das Wort im Westen bekannt.

Wie ordnet die EU den Begriff ein?
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat sich 2008 in einem eigenen Papier mit dem Konzept befasst. Sein Ergebnis: Der Begriff gehört nicht zur pharmakologischen und klinischen Fachsprache, die in der EU üblich ist, und das Prinzip müsse durch weitere Studien geklärt werden. Für die Zulassung eines Arzneimittels hält der Ausschuss das Wort deshalb für ungeeignet. Bei der Bewertung traditioneller pflanzlicher Arzneimittel lässt er das Konzept weiterhin zu.
Warum steht es nicht auf den Etiketten bei BIOMPLEX?
Für Lebensmittel, also auch für Nahrungsergänzungsmittel, gilt in der EU eine eigene Regel: Aussagen über eine Wirkung im Körper dürfen nur gemacht werden, wenn sie zugelassen sind. Die Etiketten und Produktseiten bei BIOMPLEX verwenden deshalb nur diese Angaben und beschreiben Pflanzen über Herkunft, Botanik und Tradition. Wie die Liste der zugelassenen Angaben entstanden ist, erklärt der Artikel Zugelassene Angaben.
Woran erkennt man Pflanzen auf dem Etikett?
Am lateinischen Namen und am Pflanzenteil. Aussagekräftige Etiketten nennen, ob Wurzel, Blatt oder Frucht verwendet wurde und ob es sich um ein Pulver oder einen Extrakt handelt. Wie man Extrakte, Verhältnisse wie 10:1 und Standardisierungen liest, erklärt der Artikel Pflanzenextrakte. Weitere Begriffe stehen im Lexikon Wirkstoffe A–Z.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.