Arginin: Von der Lupine zum Etikett

Arginin wurde 1886 in keimenden Lupinen entdeckt und nach dem Silber benannt. Die Geschichte einer Aminosäure und wie sie heute auf Etiketten steht.


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Blau-violette Lupinen auf einer Wiese vor grünen Hügeln

Arginin ist eine der zwanzig Aminosäuren, aus denen Eiweiß aufgebaut ist. Seine Geschichte beginnt nicht bei Fleisch oder Milch, sondern bei einer Pflanze mit blauen Blüten.

1886: Keimlinge der Lupine

Der Agrikulturchemiker Ernst Schulze untersuchte an der ETH Zürich, was in keimenden Samen geschieht. Lupinensamen sind reich an Eiweiß, und während der Keimung baut die Pflanze diese Vorräte ab. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Ernst Steiger gewann Schulze 1886 aus Lupinenkeimlingen einen Stoff, den bis dahin niemand beschrieben hatte.

1886: Ein Name aus Silber

Den Namen verdankt Arginin nicht der Pflanze, sondern einem Laborschritt. Die beiden Chemiker fällten den neuen Stoff als Silberverbindung aus, die auffällige Kristalle bildete. Daraus wurde Arginin, vom griechischen argyros, Silber.

Um 1900: Lachs und Hering

Der Physiologe Albrecht Kossel untersuchte in Marburg und später in Heidelberg die Protamine, kleine Eiweiße aus den Keimzellen von Lachs und Hering. Er fand, dass sie zu einem großen Teil aus Arginin bestehen. 1910 erhielt Kossel den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, für seine Arbeiten zur Chemie der Zelle.

1932: Ein Zyklus in Freiburg

An der Universität Freiburg beschrieben Hans Krebs und Kurt Henseleit 1932, wie der Körper Stickstoff aus dem Abbau von Eiweiß in Harnstoff überführt. Arginin ist darin der letzte Schritt: Von ihm wird der Harnstoff abgespalten. Es war der erste Stoffwechselkreis, der vollständig beschrieben wurde. Krebs erhielt 1953 den Nobelpreis, allerdings für einen anderen Zyklus, den Citratzyklus.

Heute: Vier Stickstoffatome

Chemisch fällt Arginin durch seine Seitenkette auf, die Guanidinogruppe. Mit vier Stickstoffatomen in der Formel C₆H₁₄N₄O₂ entfällt rund ein Drittel seines Gewichts auf Stickstoff, mehr als bei jeder anderen Aminosäure in Eiweiß. Der Körper kann Arginin selbst bilden, nicht immer aber in ausreichender Menge. Deshalb wird es oft als semi-essenziell bezeichnet.

Heute: Auf dem Etikett

In Zutatenlisten steht es als L-Arginin, das L bezeichnet die in Eiweiß vorkommende Form. In Pulvern wird es häufig als L-Arginin-Hydrochlorid eingesetzt, einem Salz mit Salzsäure. Bei BIOMPLEX taucht Arginin vor allem in einer Klammer auf: Die Kollagen-Shots nennen nach „hydrolysiertes Kollagen“ die Aminosäuren, die im Kollagen enthalten sind, darunter L-Arginin. So steht es in den Marine Kollagen Shots, den Kollagen Shots mit Baldrian & Ashwagandha, den Kollagen Shots mit Biotin & Silicium und den Kollagen Shots mit Kurkuma. In den Multivitamin Shots ist L-Arginin Teil einer Mischung aus zehn Aminosäuren, die mit 100 mg je Tagesdosis angegeben ist.

Wie Aminosäuren aufgebaut sind und was L und D bedeuten, erklärt der Artikel Aminosäuren. Woraus Kollagen besteht, steht im Artikel Kollagen.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.