Vitamin B12: Vom Nobelpreis zum Bakterienvitamin

Zwei Nobelpreise, ein rotes Kristall und das komplizierteste Vitaminmolekül: die Geschichte von Vitamin B12 und was auf dem Etikett steht.


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Reihen großer Edelstahltanks in einer langen Halle

Vitamin B12 ist das größte und am kompliziertesten gebaute aller Vitamine. Es enthält als einziges ein Metallatom, Cobalt, daher der Name Cobalamin. Seine Geschichte zieht sich über ein halbes Jahrhundert und mehrere Nobelpreise.

1926: Ein Rezept aus der Leber

Die amerikanischen Ärzte George Minot und William Murphy gaben Menschen mit perniziöser Anämie, einer damals tödlichen Form der Blutarmut, große Mengen roher Leber zu essen. Die Kranken erholten sich. Was genau in der Leber half, wusste niemand. 1934 erhielten Minot, Murphy und George Whipple dafür den Nobelpreis für Medizin.

1948: Ein rotes Kristall

Mehr als zwanzig Jahre suchten Chemiker nach dem Stoff in der Leber. 1948 gelang es zwei Gruppen fast zur selben Zeit, ihn als tiefrote Kristalle zu gewinnen: Karl Folkers beim Pharmaunternehmen Merck in den USA und E. Lester Smith bei Glaxo in England. Der Stoff erhielt die Bezeichnung Vitamin B12.

1956: Das Molekül bekommt eine Gestalt

Die britische Chemikerin Dorothy Hodgkin entschlüsselte mit Röntgenstrahlen die räumliche Struktur des Moleküls, ein Ring aus Kohlenstoff und Stickstoff mit dem Cobaltatom in der Mitte. Sie erhielt 1964 den Nobelpreis für Chemie. 1972 bauten Robert B. Woodward und Albert Eschenmoser das Molekül nach mehr als zehn Jahren Arbeit vollständig im Labor nach, eine der aufwendigsten Synthesen ihrer Zeit.

Heute: Ein Vitamin aus Bakterien

Weder Pflanzen noch Tiere können Vitamin B12 selbst herstellen, nur bestimmte Mikroorganismen. In tierischen Lebensmitteln ist es enthalten, weil es sich dort anreichert. Das Vitamin in Nahrungsergänzungsmitteln wird deshalb durch Fermentation mit Bakterien gewonnen. Wer vegan lebt, findet dazu mehr im Artikel Vegane Nahrungsergänzung.

Auf dem Etikett stehen zwei Formen: Cyanocobalamin, die stabile, am häufigsten verwendete Form, und Methylcobalamin, in den Pre-Workout Boostern und den Multivitamin Shots. Der Referenzwert liegt bei 2,5 µg. Je Tagesportion:

Warum Prozentwerte weit über 100 möglich sind, erklärt der Artikel Referenzwert NRV. Für Vitamin B12 sind unter anderem diese Angaben zugelassen:*

  • Vitamin B12 trägt zu einer normalen Bildung roter Blutkörperchen bei.
  • Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
  • Vitamin B12 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.

In welchen Lebensmitteln Vitamin B12 steckt, zeigt die Tabelle im Artikel Vitamin B12 in Lebensmitteln.

* Zugelassene Angaben gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.