Azofarbstoffe: Ponceau 4R, Azorubin und ein Warnhinweis

Azofarbstoffe gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Seit 2010 tragen Lebensmittel mit sechs Farbstoffen einen Hinweis. Die Geschichte dahinter.


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Säcke mit leuchtend roten und orangen Farbpigmenten

Leuchtendes Rot in einem Pulver kann aus einer Rübe kommen oder aus einem Labor. Die Farbstoffe aus dem Labor haben eine lange Geschichte, und sie erklärt einen Satz, der heute auf manchen Etiketten steht.

1856: Farbe aus Steinkohlenteer

Der 18-jährige Chemiestudent William Henry Perkin wollte in London Chinin künstlich herstellen und erhielt stattdessen einen violetten Farbstoff, das Mauvein. Es war der erste synthetische Farbstoff, gewonnen aus Bestandteilen des Steinkohlenteers. Eine neue Industrie begann.

1858: Die Azo-Reaktion

Der deutsche Chemiker Peter Griess entdeckte eine Reaktion, mit der sich zwei aromatische Moleküle über eine Doppelbindung zwischen zwei Stickstoffatomen verknüpfen lassen. Diese Gruppe heißt Azogruppe, nach azote, dem französischen Wort für Stickstoff. Die daraus entstehenden Farbstoffe sind leuchtend, stabil und günstig herzustellen. In den folgenden Jahrzehnten entstanden Hunderte davon.

Ende des 19. Jahrhunderts: Mohnrot

Unter den roten Azofarbstoffen sind die Ponceau-Farbstoffe, benannt nach dem französischen Wort für den Klatschmohn und sein Rot. Ponceau 4R trägt heute die Nummer E 124 und auch den Namen Cochenillerot A, obwohl er mit der Cochenille-Schildlaus nichts zu tun hat; der Name beschreibt nur den Farbton. Sein Verwandter Azorubin, auch Carmoisin, ist E 122.

2007: Eine Studie aus Southampton

Forscher der Universität Southampton untersuchten, ob Mischungen bestimmter Farbstoffe das Verhalten von Kindern beeinflussen, und veröffentlichten ihre Ergebnisse 2007. Die Studie löste eine Neubewertung in der EU aus.

2010: Ein Pflichthinweis

Seit dem 20. Juli 2010 müssen Lebensmittel, die einen von sechs Farbstoffen enthalten, einen Hinweis tragen: E 102, E 104, E 110, E 122, E 124 und E 129. Er lautet: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“

Heute: Auf zwei Etiketten bei BIOMPLEX

Beide Etiketten tragen den Satz „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“ Andere Produkte bei BIOMPLEX färben mit Lebensmitteln wie Karotte oder Rote Bete, wie der Artikel Färbende Lebensmittel zeigt. Wie Farbstoffe allgemein gekennzeichnet werden, erklärt der Artikel Aromen und Farbstoffe.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.