Süßungsmittel: Was Maltit, Erythrit und Stevia unterscheidet

Von der Vogelbeere bis zum Labor in London: woher Süßungsmittel kommen, was Zuckeralkohole sind und was das Etikett dazu angeben muss.


Aktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Dolden orangeroter Vogelbeeren an einer Eberesche

Im Herbst hängen an der Eberesche dichte Dolden leuchtend roter Beeren. Ihr botanischer Gattungsname, Sorbus, steckt in einem Wort, das auf vielen Gummies steht: Sorbit. Aus Vogelbeeren wurde der Stoff 1872 erstmals gewonnen. Hier steht, woher Süßungsmittel kommen, was Zuckeralkohole von Süßstoffen unterscheidet und was das Etikett dazu angeben muss.

Zwei Familien der Süße

Süßungsmittel sind Zusatzstoffe mit E-Nummer. Sie teilen sich in zwei Familien, die sehr unterschiedlich arbeiten.

Die Zuckeralkohole, auch Polyole genannt, ähneln Zucker im Aufbau und werden in ähnlicher Menge eingesetzt. Sie geben Gummies Körper und Biss. Die Süßstoffe dagegen sind viele hundert Mal süßer als Zucker; eine Prise genügt für ein ganzes Glas Pulver.

Die Zuckeralkohole und ihre Herkunft

  • Sorbit (E 420) – kommt in Vogelbeeren, Äpfeln und Birnen vor. In Gummies steht es oft als Feuchthaltemittel, weil es Wasser bindet und die Gummies weich hält.
  • Maltit (E 965) – entsteht aus Malzzucker, also aus Stärke. Er schmeckt dem Zucker am ähnlichsten. Maltitsirup ist seine flüssige Form, mit kleinen Anteilen weiterer Zuckeralkohole.
  • Erythrit (E 968) – findet sich in kleinen Mengen in Trauben und Melonen und wird durch Fermentation gewonnen.
  • Isomalt (E 953) – wird aus Rübenzucker hergestellt.
  • Xylit (E 967) – auch Birkenzucker genannt, weil er früher aus Birkenholz gewonnen wurde.

Die Süßstoffe und ihre Geschichte

Die Blätter der Pflanze Stevia rebaudiana nutzten die Guaraní in Paraguay seit Langem zum Süßen. Ihre süßen Bestandteile heißen Steviolglycoside (E 960).

Sucralose (E 955) verdankt ihre Entdeckung 1976 angeblich einem Missverständnis in einem Londoner Labor: Ein Mitarbeiter sollte einen neuen Stoff testen, „test“, verstand „taste“ und probierte. Chemisch ist Sucralose ein abgewandelter Haushaltszucker. Acesulfam K (E 950) stammt aus einem deutschen Labor und wurde 1967 entdeckt.

Warum oft mehrere zusammenkommen

Auf vielen Gummies stehen drei oder vier Süßungsmittel hintereinander. Das hat handwerkliche Gründe. Zuckeralkohole wie Maltit und Erythrit füllen das Volumen, das sonst der Zucker einnimmt, und geben den Biss. Sorbit hält die Masse feucht. Ein Hauch Steviolglycoside rundet die Süße ab, weil Zuckeralkohole allein weniger süß schmecken als Zucker. In Proteinpulvern ist es umgekehrt: Dort genügt ein Süßstoff wie Sucralose, weil das Pulver kein Volumen aus Zucker braucht.

Was das Etikett sagen muss

Enthält ein Lebensmittel Süßungsmittel, steht in der Bezeichnung der Zusatz „mit Süßungsmitteln“. Bei mehr als 10 % zugesetzten Zuckeralkoholen kommt ein zweiter Hinweis dazu: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“ Beides schreibt die Lebensmittelinformationsverordnung vor.

Für die Nährwerttabelle gilt: Zuckeralkohole werden mit 2,4 kcal je Gramm angerechnet, Erythrit mit null, Zucker mit 4 kcal. Die Angabe „ohne Zucker“ darf ein Lebensmittel tragen, wenn es höchstens 0,5 g Zucker je 100 g enthält.

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Von der Eberesche bis zum Malz

Die Namen erzählen von Pflanzen und Rohstoffen. Sorbit kommt von Sorbus, der Eberesche. Maltit von Maltose, dem Malzzucker. Und Stevia trägt den Namen des spanischen Botanikers Pedro Jaime Esteve.

Der Blick auf die Packung

  • Bezeichnung – der Zusatz „mit Süßungsmitteln“ zeigt: Hier süßt kein oder nicht nur Zucker.
  • Zutatenliste – „Süßungsmittel:“ oder „Feuchthaltemittel:“ und dahinter der Name oder die E-Nummer.
  • Hinweis – der Satz zur abführenden Wirkung zeigt einen hohen Anteil an Zuckeralkoholen.

Woher Farbe und Geschmack derselben Gummies kommen, steht im Artikel Aromen und Farbstoffe.

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Kurz zusammengefasst

Hinter den Namen auf dem Etikett stehen Vogelbeere und Malz, Stevia-Blätter und eine Laborgeschichte aus London. Zuckeralkohole geben Gummies Biss, Süßstoffe süßen in winzigen Mengen. Zwei Hinweise auf dem Etikett zeigen, was drinsteckt, und mit ihnen weißt Du bei jedem Produkt, womit es gesüßt ist.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.