Mikrokristalline Cellulose: Der Stoff, aus dem Tabletten sind

In manchen Zutatenlisten steht mikrokristalline Cellulose an erster Stelle, vor dem Wirkstoff. Was sie chemisch ist und warum sie dort steht.


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Aufgesprungene Baumwollkapseln mit weißen Fasern zwischen grünen Blättern

Die Zutatenliste der Zink Bisglycinat 25 mg beginnt mit „Mikrokristalline Cellulose“. Das Zink steht weiter hinten. Wer weiß, dass Zutaten nach ihrem Gewichtsanteil geordnet werden, stutzt kurz. Die Erklärung liegt in der Chemie und in einer einfachen Rechnung.

Das häufigste Biopolymer der Erde

Cellulose ist der Baustoff der pflanzlichen Zellwand. Sie besteht aus langen, unverzweigten Ketten von Glucose-Einheiten, die über sogenannte beta-1,4-Bindungen verknüpft sind. Diese Ketten lagern sich parallel aneinander und bilden Fasern. Holz besteht etwa zur Hälfte aus Cellulose, die Samenhaare der Baumwolle fast vollständig. Keine andere organische Verbindung kommt auf der Erde in größerer Menge vor.

Was „mikrokristallin“ bedeutet

In einer Cellulosefaser wechseln sich geordnete, kristalline Bereiche mit ungeordneten ab. Behandelt man gereinigten Zellstoff mit verdünnter Säure, werden die ungeordneten Bereiche bevorzugt gespalten. Übrig bleiben kurze, kristalline Stücke. Getrocknet ergeben sie ein weißes, geruchloses, geschmacksneutrales Pulver, das sich nicht in Wasser löst. Das Verfahren wurde in den 1950er Jahren in den USA entwickelt. Als Zusatzstoff trägt mikrokristalline Cellulose die Nummer E 460 (i).

Warum Tabletten sie brauchen

Eine Tablette entsteht, indem Pulver unter hohem Druck in eine Form gepresst wird. Mikrokristalline Cellulose ist dafür besonders gut geeignet: Sie fließt gleichmäßig in die Form und verbindet sich beim Pressen zu einem festen Körper, ohne dass Wasser oder Klebstoff nötig sind. Sie ist damit Füllstoff und Bindemittel zugleich.

Die Rechnung hinter der Zutatenliste

25 mg Zink sind eine winzige Menge, kaum mehr als ein paar Körnchen. Eine Tablette, die man greifen und schlucken kann, wiegt ein Vielfaches davon. Den Rest füllt ein Trägerstoff. Deshalb steht er in der Zutatenliste vorn. Bei Produkten mit großer Wirkstoffmenge ist es umgekehrt: In den Kreatin Monohydrat Tabletten steht das Kreatin vor der Cellulose. Mehr dazu im Artikel Füllstoffe und Trennmittel.

Verwandt, aber nicht gleich: HPMC

In vielen Kapseln steht eine zweite Cellulose: Hydroxypropylmethylcellulose, kurz HPMC, E 464. Sie wird aus Cellulose hergestellt, deren Ketten chemisch mit Methyl- und Hydroxypropylgruppen versehen werden. Dadurch wird sie in Wasser löslich und lässt sich zu dünnen Kapselhüllen formen. Mehr dazu im Artikel Kapselhüllen.

Bei BIOMPLEX

Mikrokristalline Cellulose steht unter anderem in diesen Zutatenlisten: Zink Bisglycinat 25 mg, Eisen Bisglycinat 25 mg, Jod 150 µg, Eisen Bisglycinat 14 mg + Vitamin C, Kreatin Monohydrat Tabletten und Melatonin 1 mg. Bei einigen Tabletten ist sie als „Füllstoffe: (mikrokristalline Cellulose …)“ aufgeführt, bei anderen ohne Klassennamen.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.