Akazienfaser und Gummi arabicum: Tränen aus der Rinde

Akazienfaser und Gummi arabicum sind derselbe Stoff: der getrocknete Saft einer Akazie aus dem Sahel. Woher er kommt, wie er geerntet wird und warum er zwei Namen trägt.

Aktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Einzelne Akazie in einer trockenen, weiten Ebene

Dragees, Fruchtgummis, Limonaden: Gummi arabicum steckt in vielen Lebensmitteln, oft ohne dass man es bemerkt. Gewonnen wird es aus dem getrockneten Saft einer Akazie und seit Jahrtausenden genutzt. In der Zutatenliste von Kapseln steht derselbe Stoff als Gummi arabicum oder als Akazienfaser.

Tränen aus der Rinde

Gummi arabicum stammt vor allem von der Verek-Akazie, botanisch Acacia senegal. Der dornige Baum wächst im Sahel, dem trockenen Gürtel südlich der Sahara von Senegal bis Sudan. In der Trockenzeit ritzen die Sammler die Rinde an. Aus den Wunden tritt ein Saft, der an der Luft zu bernsteinfarbenen Klumpen erhärtet. Nach einigen Wochen werden diese „Tränen“ von Hand abgelesen. Der Sudan gehört bis heute zu den wichtigsten Erzeugerländern.

Warum „arabicum“

Der Baum wächst in Afrika, der Name verweist auf Arabien. Über arabische Handelswege gelangte der Gummi nach Europa, und so bekam er den Namen seines Handelswegs. Als Zusatzstoff trägt er heute die Nummer E 414.

Ein Netz aus Zuckern

Chemisch ist Gummi arabicum ein verzweigtes Polysaccharid, ein Netz aus Zuckerbausteinen wie Arabinose und Galactose, mit einem kleinen Anteil Eiweiß. Anders als viele Verdickungsmittel löst er sich gut in kaltem Wasser, ohne stark einzudicken. Der Eiweißanteil kann sich an Öltröpfchen heften, der Zuckeranteil ragt ins Wasser. So hält Gummi arabicum Aromen und Öle in Getränken in der Schwebe. Andere Verdickungsmittel stellt der Artikel Gelier- und Verdickungsmittel vor.

Gummi oder Faser

Der Dünndarm kann die Zuckerkette nicht zerlegen. Deshalb zählt Gummi arabicum zu den löslichen Ballaststoffen. Wird er als Zutat mit dieser Eigenschaft verwendet, heißt er oft Akazienfaser. Es ist derselbe Stoff unter einem anderen Namen. Auf Etiketten im Sortiment stehen beide Varianten: „Gummi arabicum“ in den Ashwagandha Kapseln, „Akazienfaser“ in den Vitamin C Kapseln und „Akazienfaser (Acacia senegal (L.))“ mit botanischem Namen in den Mariendistel Kapseln. Was das Kürzel in der Klammer bedeutet, erklärt der Artikel Pflanzenextrakte lesen.

In Kapseln und in Lebensmitteln

In Kapseln mit Pulvern und Extrakten kann Akazienfaser als Trägerstoff dienen: Sie gibt Volumen und hilft, ein Pulver gleichmäßig zu verteilen. In den Ashwagandha Kapseln steht Gummi arabicum dagegen beim Überzugsmittel. Wie andere Füllstoffe arbeiten, zeigt der Artikel Füllstoffe und Trennmittel.

Gummi arabicum ist ein alter Bekannter aus der Küche. Er überzieht Dragees, gibt Fruchtgummis ihre Form und sorgt in Limonaden dafür, dass sich Aromen gleichmäßig verteilen.

Woran Du es erkennst

  • Als Zusatzstoff – Gummi arabicum oder E 414.
  • Als Zutat – Akazienfaser, manchmal mit dem botanischen Namen Acacia senegal.
  • In der Nährwerttabelle – bei Kapseln nicht einzeln; er steht nur in der Zutatenliste.

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Kurz zusammengefasst

Gummi arabicum ist der erhärtete Saft der Verek-Akazie aus dem Sahel, gesammelt als „Tränen“ von der Rinde. Als Zusatzstoff heißt er E 414, als Zutat mit Ballaststoff-Charakter Akazienfaser. In Kapseln trägt er Pulver und Extrakte, in Süßwaren und Getränken gibt er Form und Halt.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.